gefühltes wort

                       der bessere fleiss

und wieder ist der stunden masse
von des tages neige weggebeten
abgetaucht ins dunkle, nasse
nur für des hauses leere kasse
nicht genutzt auf gartens beten

und so fault lyrische sehnsucht
lechzet nach dem besser´n fleiss
ohnmachts grund heisst: unbetucht,
denn die kunst ist heut verrucht
arbeit, nur zum überleben sei´s

ach was soll ich ewig schmachten
nach der muse höh´rem sinn
weil die väter es so dachten
dass nur körperfleiss zu achten
nur das werkeln lebt dahin?

 

oh, wie kann ich pinsel halten
federkiel und blatt vereinen
wenn ich, bis ich werd zum alten
versuch mit arbeit mich zu halten?
brennende musen sollten scheinen.

lasst des malers frohe farben
doch die leinern´ wand beziehn
wisst, der schreiber darf nicht darben
lasst ihn schreiben seine narben,
dem bilderhauer gedeih sein spleen.

denn ihr wollt euch mal ergötzen
an bild, an statue und am buch,
die zeit ist wertvoll und erhaben
wenn dichtersdenken will uns laben
diese tätigkeit ist´s, die ich such.

 


                   begrüssung mit wiederkehr

der schlaf,
er, der letzten stunden heilungsbegleiter
hat nun frei
bin wach, das leben wird bewusst, geht jetzt weiter
die träume
sie werden nun gehen, sie haben traumbildfrei
helles licht
bringt kraft uns ins leben, lässt´s strahlen dabei
ohne sorgen
die gestrigen vertriebt ein ausruhklarer morgen
und davor
die traumlastige, weichwarme nacht
dieses wunder
haben beide, gewohnt und mit leichthand vollbracht.
so zeigt
sich schmiegend, unsichtbarer freund, den ich mag:
mein leben,
ich grüss dich, guten tag, lieber tag!

                     es läutet aus jeder pore

aus den braunen ackerporen,
aus erdfeuchter nacht
waren mir blumen
ans morgenlicht gebracht!

hat goethe nun recht?
mit ein wenig glück
zieht sich bald der winter
in rauhe berge zurück.

dann werden sie spriessen,
die knospen und ranken
und auf bänken die triebe,
amor wird es danken.

wenn er ein herz sich fasst
um es minniglich zu reichen
der schönen, der einen!
ihres sollt erweichen.

so kommt schnell heraus!
ihr blumen, ihr glöckchen
ruft das kommende aus:
die zeit wehender röckchen!

 

                        frühlingsgefühl

mir ist heut so...
ich will meinen, beschwingt
oder, ists der frühling,
der in den säften erklingt?

kaum find ich ein pflänzchen,
das mich hier nicht erfreut
das gemüt vollführt tänzchen
so dass mich nichts reut

und leichten fusses nun geh
ich auf des lebens band
keinen absturz ich seh
nicht klippe, noch rand

ein sanftweicher frieden
legt sich auf meinen sinn
die welt will jetzt bieten:
ich bin, ja, ich bin!

 

                          gemach, gemach

zaghaft
zu wohl früher stund
wächst bewusstsein,
blick ins rund,
lässt man sich ein,
erwacht und
schritt für schritt
stellt sinn sich ein.


mit den dazugehörend´ farben
entdeckt man
nicht verblasste narben,
welche gestern noch als wund´
öffneten der seele schlund

und so weiter zieh´n die kreise
auf entdeckers morgenreise

wo bin ich nur?
wer bin ich schon?
und was mach ich,sitzend hier?
zeiger meinen: kurz nach vier.

eine nacht zum tag sich neigt
und es präsentiert ein fenster:
während es schon lichtspiel zeigt
viel zu hell ists für gespenster.
warmes nest lockt:
leg ich mich wieder
oder schreit ich,
schwer die lider,
in des tages erste stuf´
jeden tag das gleiche: wartet
bis der innerste ruf
das wahre leben endlich startet!


kurze begegnung

sieh nur
das strahlen, sieh
aus klarem, grossem auge,
des kleinen menschlein diamant,
blickt es zu meinem finger
und greift mit seiner hand
wie es rüttelt, wackelt,
drückt, noch fester daran zieht.
was mag es jetzt grad denken
hörts denn die stimme
aus dem schatten dessen,
der schützend bei ihm kniet.
wenn man jetzt seinen namen
voll lieblich weichem sinn
für dort erahnte ohren
zum kleinen wesen spricht?

nun, es ward noch nie geboren
drum, einen namen hab ich nicht.

 

                            morgengedanken

ich möchte gar nicht tauschen..

mit dem stein an der strasse,
mit dem durstigen tafelschwamm,
mit dem angedorrten obst in der schale,
mit den hohen wipfeln der pappel,
mit dem kind dort am eimerchen
mit der erlebnisvollen frau auf der bank
mit den spiegelungen der wellen

ich möchte sie nur grad alle einmal sein,
oder zumindest der sie umspülende wind...

 

                            schwarzweiss

ein grauer streif kommt mir entgegen
mal aschfahl, hell, mal schwarz vom regen.
in der mitte läuft ein weisses band,
links und rechts davon, der rand:


reif wehendes getreide
wie gelber weicher sand
strahlts in mein antlitz,
von der seite



minute für minute fahr ich schon so
ach was sag ich! tage, stunden!
mich dünkt, es sind gar jahre
da unter diesen rädern, nach hinten
asphaltschwere zeiten, getan,
ins graue nichts verschwinden.

was ist es, das den lauf der dinge
mir so erklärt, dass es mich anginge.
ich weiss, es gibt  zwei arten menschen
jene, die zum wunden machen neigen

und andere, welche gern stellen zeigen,
wohin noch gute narben passen.
die einen sind zu hart zum lieben,
die anderen sind zu weich zum hassen.

 

und dabei sehnt man sich doch nur
nach dieser kleinen melodie,
welche lächeln kann, wie keine zweite
wio findet man sie, ist amor pleite?
und diese sehnsucht füllt ein leben.
bereit zu nehmen, bereit zu geben
in gleichen teilen und mit freude,
gelebte gemeinsamkeiten eben...

...  denk ich, und schau aufs graue band,
welches unter rädern
unter mir nach hinten zieht,
links und rechts davon, der rand:
reif wehendes getreide
wie gelber, spröder zeituhr-sand
mein antlitz sieht es,
von der seite.

 


wir leben

wir leben. jetzt. und das ist einfach wunderschön... ich möchte gar nicht tauschen..

mit dem stein an der strasse,
mit dem durstigen tafelschwamm,
mit dem angedorrten obst in der schale,
mit den hohen wipfeln der pappel,
mit dem kind dort am eimerchen
mit der erlebnisvollen frau auf der bank
mit den spiegelungen der wellen

... ich möchte sie nur grad alle einmal sein, oder zumindestens der sie umspülende wind

 

winters abschied

wolken tanzen
schal in fransen
bett voll wanzen
luft, komm rein

haus weit offen
frühlingshoffen
glück getroffen?
soll so sein

kinder machen
uns nun lachen
bunt die sachen
viel zu klein!


flink ins weite
bis zum kleide
schöner maide
auf zum frei´n!

nun ists märz
so nimm dies herz
mit feinem scherz
so fang es ein.

in der welt
ein weites feld
den sinn erhellt
nun bin ich dein.